Sarajevo

Ja aber klar wollen wir auch nach Sarajevo.
Aber nicht, ohne noch die liebgewonnenen Kätzchen zu verabschieden.
Wir verabschieden uns auch von Ibro, dem Campingplatzbesitzer und er bestätigt uns unsere Wahl für den nächsten Campingplatz. Die beiden kennen sich. Vor uns liegen ungefähr 130 Kilometer durch eines der schönsten Täler Europas. Wir haben nun schon mehrmals gelesen, wie beeindruckend die Straße sein soll.
Und uns wird nicht zu viel versprochen. Bei strahlendem Sonnenschein können wir die Aussicht noch mehr genießen.
Immer entlang des Flusses Neretva über den Jablanickosee kommen wir doch recht schnell vorwärts. Die letzten 20 Kilometer fahren wir sogar Autobahn. Übrigens wieder die A1, über die wir vorgestern die 10 Kilometer nach BiH eingereist sind. Hier sind also die ersten 20 Kilometer.
Der Platz liegt außerhalb der Hauptstadt, das wussten wir. Aber das wir mitten in der Pampa landen? Und hier soll es eine öffentliche Verkehrsanbindung in die City geben? Nun gut, wir haben keine Wahl.

Sogleich werden wir herzlich begrüßt von Alma und Senad. Die beiden sprechen recht gut deutsch, da sie während des Krieges als Flüchtlinge in Deutschland gelebt haben. 1996 kehrten sie in ihre Heimat zurück und führen nun im 3. Jahr diesen Campingplatz. Alles ist ganz neu angelegt. Wir sind die einzigen Gäste heute und fühlen uns direkt wohl.
Wir kommen zur Mittagszeit an, stärken uns ein wenig und lassen uns von Alma den Weg zum Bus und zur Straßenbahn erklären.
Kurz darauf kommt Senad und bietet an, uns in die Stadt mitzunehmen. Er müsse sowieso heute nochmal dort hin.
Jackpot! Wir freuen uns sehr über diese Gastfreundlichkeit und nehmen den Service gerne an. 
Auf dem Weg erklärt er uns natürlich noch vieles. Er spricht von den olympischen Winterspielen, die 1984 hier stattgefunden haben und erklärt uns Gebäude. Es gibt auch hier durch den Krieg noch viele zerstörte Häuser, aber auch viel neues, modernes wurde seit dem gebaut.
Brücke von Gustav Eiffel
Brücke von Gustav Eiffel
Dieses Altenheim wurde 1991 fertig gestellt, es zog nie jemand dort ein und 1992 wurde es zerbombt.
An vielen Häusern erinnern die Einschusslöcher an die Besetzung von Sarajevo.
Rosen von Sarajevo
Die Einschläge von Granaten haben auf dem Asphalt Spuren hinterlassen, deren Form vage an eine Blume erinnert. Die Bewohner von Sarajevo haben die Krater mit rotem Harz markiert, um daran zu erinnern, dass an dieser Stelle ein Mensch zu Tode kam.
Das ewige Feuer erinnert an die Befreiung Sarajevos
Das ewige Feuer erinnert an die Befreiung Sarajevos
Senad setzt uns ganz in der Nähe der Altstadt ab und wir erkunden das alte Sarajevo. Und das neue auch. Denn beides liegt nah bei einander und gehört irgendwie zusammen. Genauso wie Kirche und Moschee. Denn beides findet man hier nur wenige Meter voneinander entfernt in der gleichen Straße.

Wir sind beeindruckt von der Altstadt und können gar nicht genug von den kleinen Gassen bekommen. In jeder verbirgt sich ein anderes Kunst- oder Handwerk. Auch kulinarisch kommen wir auf unsere Kosten.
Kekspause
Kekspause
Für uns ist es nun doch an der Zeit, den Rückweg anzutreten. Ganz so bequem wie hinzu ist es leider nicht. Nun also los zur Straßenbahn.
Auf dem Weg dorthin treffen wir auf ein Taubenmeer. Die Kinder jagen wie verrückt die Vögel über den Platz.
Die Bahn kommt zum Glück alle paar Minuten. Trotzdem ist sie total voll und wir bekommen erst kurz vorm Ziel einen Sitzplatz. Von den alten Modellen erwischen wir wohl das Älteste und so holpern wir eine gute halbe Stunde bis zur Bushaltestelle in einem Vorort von Sarajevo. Dafür kostet die Fahrkarte aber auch nur 80 Cent.
Weiter geht es noch 10 Minuten mit dem Bus und wir laufen den letzten Kilometer zu Fuß. Was wir vorhin mit dem Womo kurz durchfuhren, lernen wir nun etwas genauer kennen. Es gibt hier ein unverkennbares Müllproblem und wir machen Bekanntschaft mit Romakindern, die uns anbetteln und Kinder, die in Mülltonnen nach Brauchbarem suchen. Gar nicht so einfach, Lenny und Klaas das zuerklären und warum wir kein Geld geben.

Dennoch hat uns der Tag total gut gefallen und wir können Sarajevo nur weiterempfehlen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Judith (Freitag, 20 April 2018 09:57)

    Man, Ihr Lieben! Es ist so toll und macht so viel Spaß, das alles zu lesen und Euch dadurch irgendwie auch nahe zu sein und Euch auf Euren Abenteuern zu begleiten! Ihr macht das alles einfach so toll! Macht weiter so und haltet diesen großartigen Blog auf jeden Fall am Leben - jeden Tag ein Highlight für uns, einen neuen Eintrag zu lesen!

    Fühlt Euch ganz lieb gedrückt!
    Judith, Flo und Lio

  • #2

    Jule die coole (Freitag, 20 April 2018 16:29)

    Hey ihr vier

    Wow was für eine schöne Fahrt mit diesem
    Ausblick. Super super schöne Landschaft! Genießt das tolle Wetter :)
    Allerliebste Grüße aus dem Warmen Berlin :)