Kloster Sumela bei Trabzon und zu Gast bei einer türkischen Großfamilie

Na toll! Beim letzten Mal noch so vom Wetter geschwärmt, ist es bereits nachts und am frühen Morgen drückend schwül. Das soll auch den ganzen Tag nicht besser werden, eher schlimmer. Man schwitzt beim Nichtstun, Duschen verschlimmert die Angelegenheit noch mehr.
Wir ziehen weiter. Es geht mal mehr, mal weniger entlang der Küste, aber immer auf bester Autobahn. Wir durchqueren mehrere Orte, hier mal ein paar Eindrücke aus ganz „normalen“ türkischen Städtchen. Leider alle Bilder nur vom Auto aus.
Seilbahn mitten durch die Stadt
Seilbahn mitten durch die Stadt
82 km/h?
82 km/h?
Boah, das Wetter macht uns fertig. Und nun kommt noch dazu, dass es dem Kleinsten irgendwie gar nicht gut geht. Als dann gegen Mittag das ganze Frühstück wieder retour kommt, wissen wir wieso. Auch Benni hat kurzzeitig Probleme, die sind zum Glück aber schnell wieder verflogen. Aber bei Klaas hält sich die Geschichte hartnäckig. Der Übeltäter ist schnell enttarnt, es müssen die Köfte von gestern Abend vom Grill gewesen sein. Der Arme muss sich noch den ganzen Nachmittag übergeben, das Abendbrot bleibt dann endlich drin.
Wir erreichen Trabzon, die größte türkische Stadt an der Schwarzmeerküste, können sie aber gut umfahren und nun zieht es uns ins Landesinnere. Alles ist wahnsinnig grün durch diese ständige Feuchtigkeit. Hier treffen wir auch wieder auf viele, viele Haselnusssträucher. Auch die ein oder andere Polizeikontrolle wartet wieder am Straßenrand, aber wir bleiben heute verschont.
Wir steuern einen kleinen Campingplatz an (eine Wiese am Restaurant) und kümmern uns um unseren kranken Klaas. Alles andere muss bis morgen warten.
Auf in die dunstigen Berge.
Auf in die dunstigen Berge.
Schlafplatz am Fluss
Schlafplatz am Fluss
Klaas hat nachts noch einmal das Bett vollgeko...., aber nun scheint sich die Sache wieder zu beruhigen. Wir verbringen den Vormittag noch auf dem kleinen Platz, Bettwäsche muss ja nun gewaschen werden....
Wenn es hier so feucht ist, muss die Wäsche eben während der Fahrt trocknen.
Wenn es hier so feucht ist, muss die Wäsche eben während der Fahrt trocknen.
Dann geht es weiter ins Gebirge zum Kloster Sumela. Wir wissen von den Berlinern Elona und Ignaz, dass das Kloster zur Zeit restauriert wird und ein Besuch leider ausfällt, aber wir würden trotzdem gern einen Blick drauf werfen.
Die Straße schlengelt sich durch eine enger werdende Schlucht. Wir müssen 6€ Eintritt bezahlen, denn das Kloster liegt in einem Nationalpark. Am Parkplatz angekommen, herrscht reges Treiben. Das Kloster ist die Top-Sehenswürdigkeit in Ostanatolien, die Touristen international. Wir erkennen auf jeden Fall Chinesen, Aserbaidschaner und Iraner. Deutschland ist nur durch uns vertreten :-)
Wir schmeißen von unten einem Blick aufs Kloster, welches in der Felswand thront. Schon beeindruckend.
Nun geht es für uns weiter Richtung Erzurum. Aber vorher muss noch ein Pass auf 2300 Metern überwunden werden. Na das kann ja was werden. Aber wir sind total überrascht, es geht viel leichter als gedacht. Die Straße steigt stetig an, wir können sogar im 3. Gang fahren und plötzlich sind wir schon oben. Ganz schön kalt auf einmal. Dann geht es nochmal 1700 Meter durch einen Tunnel undplötzlich sind wir in einer anderen Welt.
Eben war noch alles wolkenverhangen, angenehm kühl, die Berge grün und fruchtbar. Und nun strahlend blauer Himmel, die Hitze schlägt uns ins Gesicht und die Berge sind trocken und karg.
Wir tauchen tiefer ein in die ostanatolische Bergwelt und sind tief beeindruckt von der Schönheit und Weite.
Wir brüten bei 36 Grad, genießen die Landschaft und sind immer wieder erstaunt von diesen Wahnsinnsautobahnen. Und immer wieder Baustellen, es werden noch mehr Verbindungsstraßen gebaut und vor allem Tunnel. 
Wir halten Ausschau nach einem Fluss oder See, an dem wir uns abkühlen können, aber werden leider nicht fündig.
Bäh!!
Bäh!!
So langsam heißt es Schlafplatz suchen, bis Erzurum schaffen wir es heute nicht mehr. Einen Campingplatz gibt es nicht und auch sonst keine Anhaltspunkte. Also einfach Augen offen halten.
In einer kleinen Stadt fahren wir an einem Picknickplatz mit Spielplatz vorbei, davor eine große, freie Parkfläche. Na das geht in Ordnung. Nun aber erstmal alle raus aus dem Auto, ab auf den Spielplatz. Und dann nimmt der Abend eine überraschende Wendung :-))
Ein paar Familien sitzen auf der Wiese und wir werden prompt von einer zum Tee eingeladen. Es gilt hier als unhöflich solch eine Einladung abzulehnen und schwupp sitzen wir alle zusammen auf der Decke, trinken Tee und knabbern Sonnenblumenkerne. Wir sind zunächst etwas eingeschüchtert von sovielen interessierten Menschen. 3 der älteren Kinder sprechen ein wenig englisch, ansonsten muss Google-Übersetzer wieder ran. Aber schnell fühlen wir uns wohl, keiner ist aufdringlich, alle interessieren sich für unsere Reise und natürlich unsere Blondies. Wir spielen Fußball, ich werde von den Frauen zu einem Spaziergang eingeladen und dann herrscht große Freude, als wir Ihnen anbieten, mal in unser Womo zu schauen.
Damit nicht genug, wir werden zum Abendessen eingeladen und plötzlich sitzen wir zu 12. in unserem Womo und fahren zum Haus von Großmutter. Wir fahren dem Toyota hinterher, in dem auch nochmal 10 Leute oder so sitzen. 
Wir laufen in den 5. Stock eines Mehrfamilienhauses und betreten barfuß die Wohnung der Großmutter. Die erscheint uns riesengroß, aber nicht alle wohnen hier. Oma hat 7 Kinder und, ich weiß es nicht genau, vielleicht 18 Enkelkinder. Ungefähr die Hälfte davon ist gerade zu Besuch, weil ja Ferien sind. 
Für uns wird der Tisch gedeckt, es gibt Lahmacun (türkische Pizza), Pide mit Käse, Salat, Pommes und Ayran. Es schmeckt fantastisch.
Die Kinder gucken Tom und Jerry auf 
türkisch, später wird für die Männer Fußball eingeschaltet und wir Frauen sitzen zusammen. Nun nehmen auch alle Frauen ihre Kopftücher ab und präsentieren mir stolz ihre gefärbten und gelockten Haare.
Wir werden sogar eingeladen, dort zu übernachten, aber das lehnen wir dann doch ab. Aber an Gastfreundschaft ist diese Familie ja wohl nicht zu toppen. 
Wir werden liebevoll verabschiedet und verbringen die Nacht auf dem Parkplatz vor dem Haus.
Diesen Abend werden wir wohl nie vergessen! :-)

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Kommentare: 2
  • #1

    manuela (Donnerstag, 12 Juli 2018 09:17)

    Ihr Lieben, ich bin berührt von Eurem Bericht und den Bildern:) Und Peter Pans Jungfernflug war doch schon mal supi. Denk an Euch Ma-Manu-Oma

  • #2

    Opa (Donnerstag, 12 Juli 2018 16:45)

    Na, 12 Mann in euren Womo das könnten wir zum Kapa treffen eigentlich toppen. Schade das ihr nicht bei sein könnt. Aber vielleicht fahren wir mal alle bei Großmutter so vor. Ist doch irre das man so herzlichst willkommen geheißen wird und dann noch so einen tiefen Einblick in die Familie bekommt. Freut mich echt für euch. So macht reisen Spaß oder? Liebe Grüße euer Opa Rainer