Vom Canyon, Kloster, Dinosauriern, Höhlen und einer Festung

Die Dusche war tatsächlich warm und es gab sogar richtigen Wasserdruck. Wir nutzen die Chance und putzen uns alle von Kopf bis Fuß inkl. Wäsche waschen.
Beim Frühstück werden wir dann noch von einem Bayer angesprochen, der seit 20 Jahren sein Rentnerdasein hier in Georgien verbringt. Er hat viel zu erzählen von seinen Krankheiten, der Korruption in Georgien und den Türken in Deutschland. 3 Kreuze, als er wieder abzieht.....
Blitzeblank geht es dann weiter Richtung Osten. Wir durchqueren das flache Gebiet zwischen kleinem und großem Kaukasus. Die Menschen leben hier überwiegend von der Landwirtschaft. Hier ist alles grün und fruchtbar. Den Weg säumen unzählige Kühe, später auch Schweine, die sich am Straßenrand satt fressen oder auch mal direkt auf der Fahrbahn ihr Mittagspäuschen abhalten.
Abwassersystem der Dörfer
Abwassersystem der Dörfer
Beim Durchqueren der Dörfer fallen uns 2x Trauerfeiern auf. Hier ist es üblich, dass der Verstorbene zu Hause aufgebahrt wird und sich die Verwandten und Bekannten dort verabschieden. In unseren Fällen scheinbar das ganze Dorf. Der Garten und die Straße sind voller, nur zum Teil schwarzgekleideter Trauergäste. Nach 5 bis 6 Tagen findet die Beerdigung statt, allerdings nicht am Montag oder Mittwoch. Die Trauergäste beteiligen sich an den Kosten der Bestattung, Feuerbestattungen sind nicht üblich. Die Familie geht für 40 Tage schwarz gekleidet, Witwen kleiden sich für immer schwarz. Einige Männer rasieren sich für 40 Tage nicht und es wird in dieser Zeit kein Fernsehen geschaut. Nach den 40 Tagen trifft sich die Familie am Grab und gedenkt dem Toten durch ein gemeinsames Mahl.
So, das dazu. Ist wohl die Krankenschwester in mir durchgekommen.
Wir wollen zum Martvili-Canyon. Den danebengelegenen Campingplatz trauen wir uns nicht anzufahren, die Anfahrt ist zu steil. Wir parken auf einem großen Parkplatz für 1,20€ und laufen zum Eingang. Dort dürfen wir nochmals 10€ Eintritt löhnen und haben dann einen netten Blick auf Schlucht und Wasserfälle. Kleine Treppen und Brücken führen zu mehreren Aussichtspunkten. Man kann auch eine Bootstour machen, aber es ist ganz schön was los und wir haben jetzt keine Lust eingequetscht in einem Boot mit Georgiern und Russen zu sitzen.

Alter Wehrturm
Alter Wehrturm
Nun heißt es ja noch, Schlafplatz suchen.
Wir fahren durch Kutaisi, ehemalige Hauptstadt und heutiger Sitz der Legislative. Hier ist jedenfalls wieder mächtig was los, aber wir schaffen es unfallfrei durch die Stadt.
Etwas außerhalb liegt das Kloster Gelati. Wir kurven den Berg hinauf zum Parkplatz des Klosters und dürfen hier über Nacht stehen. Der Parkplatzeinweiser hätte gern 2 Lari. Wir entdecken auch später keinen Hinweis auf Parkplatzgebühren. Haben wir ihm wohl sein Feierabendbier finanziert :-)
Das Kloster nehmen wir uns für morgen vor, wir streifen noch ein bisschen durch die Gegend und schauen uns den Sonnenuntergang etwas oberhalb von einer Kirchenruine an.
Nachdem ich am Abend noch die ansässigen, kläffenden Hunde vertreiben musste (immerhin hatte ich so wieder einen schönen Blick auf den Sternenhimmel), haben wir gut geschlafen. Bis auf einen. Der Magen-Darm-Virus ist zurück, diesmal hat es Benni erwischt und auch Klaas beklagt schon wieder Bauchschmerzen. Vielleicht liegt es aber auch an den unendlichen vielen Brombeeren, die sich der Kleine gestern an der Kirchenmauer noch reingepfiffen hat.
The Show must go on, Benni hält tapfer durch. Wir sind fast die ersten am Kloster, schlendern über das Gelände, schauen uns die Kirchen an und fragen uns, was jemanden dazu bewegt, hier sein Leben zu verbringen. Die Mönche wirken in sich ruhend, spazieren auf dem Gelände, kümmern sich sozusagen um Haus und Hof. Dem Kloster ist noch eine Akademie angeschlossen, in der Astronomie, Musik, Philosophie und Mathematik gelehrt wird.
Und mal wieder wird renoviert, restauriert, saniert.
Auf dem Weg zurück zum Womo haben wir das erste Mal hier in Georgien einen Blick auf schneebedeckte Gipfel.
Nun geht es für uns weiter in den Sataplia-Naturschutzpark. Am Eingang zahlen wir wieder 10€ Eintritt und erfahren, das der Park nur mit Führung betreten werden darf. Ironie an —> Hurra! Endlich mal in einer Reisegruppe einen Ausflug machen. Das ist genau unser Ding! <— Ironie aus.
Nun ja, die Gruppen sind dann zum Glück relativ klein mit ca. 25 Leuten, der Führer spricht allerdings zur georgisch. Oder russisch, ich weiß es nicht genau.
Aber egal, wir haben den Kindern heute mal was Cooles versprochen und das kriegen sie dann auch. Hier gibt es nämlich echte Dinosaurier-Fußabdrücke zu sehen. Schon echt toll! Weiteres Highlight ist noch eine Tropfsteinhöhle, in deren Mitte sich der Herzsaal befindet. Dort steht ein riesiger Stein, der aussieht, wie das menschliche Herz. 
Dann stehen mal wieder 170 Kilometer auf unserem Navi bis zum nächsten Kracher und hoffentlich auch Schlafplatz. Die Fahrt ist wieder sehr anstrengend. Nicht wegen der Straßenverhältnisse, die sind eigentlich echt in Ordnung, sondern wegen des Verkehrs. Viele Autos sind unterwegs und das bedeutet viele Überholmanöver. Die eigentlich zweispurige Straße ist dreispurig. Entgegenkommende Autos auf der eigenen Spur mittlerweile ein gewohnter Anblick.
Wir durchfahren Gori. Ein nicht großer, aber bekannter Ort, denn hier wurde Josif Wissarionowitsch Dshugaschwili geboren. Kennt ihr nicht? Ok, kleiner Tipp: sein Vater war Schuster, seine Mutter Wäscherin. Immer noch nicht? Er absolvierte hier ein Priesterstudium. Ok, also wer jetzt noch nicht weiß, um wen es geht, bekommt noch den ultimativen Tipp. Ab 1912 nannte er sich „Stalin“.
In Gori gibt es ein Stalinmuseum, worauf die Einwohner hier stolz sind. Auf dem Stalin-Platz wurde 2010 gegen den Widerstand der Bevölkerung die Stalin-Statue demontiert. 
Wie dem auch sei, fahren wir noch ein paar Kilometer weiter und die Landschaft, die sich uns zeigt, verspricht schon viel.
Vorher gibt’s noch eine örtliche Süßigkeit, die wir schon die ganze Zeit immer mal wieder am Straßenrand gesehen haben und nun mal probieren wollen. Es sind Hasel- oder Walnüsse, die mehrfach durch eingedickten Traubensaft gezogen werden. Snickers heißt das hier für die Touristen :-)
Joa, kann man essen....
Dshandshucha und Tschurtschchela
Dshandshucha und Tschurtschchela
Nun wollen wir uns aber wieder was anschauen. Es ist die Höhlen-Festung von Uplisziche. Auf jeden Fall im 15. oder 16. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstanden, manche Bauten sind wohl noch älter. Der Eintritt kostest diesmal nur 5€ und wir dürfen uns völlig frei bewegen. Es gibt wirklich allerhand zu entdecken und erkunden. Das hier ist wirklich ein toller Ort und wir haben weite Ausblicke.
Haben wir hier tatsächlich auch Dinoknochen gefunden?
Haben wir hier tatsächlich auch Dinoknochen gefunden?
Und ganz in der Nähe findet sich dann auch noch ein akzeptabler Schlafplatz. Der ein oder andere Hund kommt uns am Abend besuchen und fragt nach was zu Futtern. Scheinbar erwecken wir den Eindruck einer  fahrbaren  Imbissbude :-) Na das gibt bestimmt wieder Gebell heute Nacht.....

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Kommentare: 1
  • #1

    Jule (Mittwoch, 18 Juli 2018 21:39)

    Wow ein langer toller Blogeintrag! Total interessant mit der Trauerfeier! Und auch die Schluchten mit den Wasserfällen gefällt mir sehr :) oh wünsche euch eine ruhigere Nacht ohne tobende Hunde ;)