Zurück in der Türkei! Nach Kars und Ani

Die letzten Kilometer bis zur Grenze sind erstaunlicherweise relativ gut ausgebaut. Aber hin und wieder Schlaglöcher! Junge, Junge! Da kann sich ein Elefant drin verstecken.
Der Grenzübergang liegt einsam mitten in der Wallachei. Nix zu sehen weit und breit.
Auch dieses Mal werden wir getrennt. Endlos lange Flure wollen durchlaufen werden, Pässe kontrolliert und nach 40 Minuten dürfen wir uns wieder alle in die Arme schließen ;-)
Wir müssen keine Gebühren zahlen, keine Autozolldokumente ausfüllen, keine Versicherung abschließen. Wir dürfen einfach einreisen und werden gewohnt freundlich empfangen. Für den armenischen Stempel im Reisepass interessiert sich zum Glück keiner.
Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Man kann die Schrift wieder lesen, versteht das ein oder andere Wort, wir nähern uns langsam wieder der deutschen Zeit (nur noch 1 Stunde Unterschied) und werden direkt herzlich begrüßt.
Die Straße ist, war auch nicht anders zu erwarten, bestens und wir düsen zum Çıldır-See. Der See liegt auf 1900 Metern, aber wie gesagt, ich glaube, wir waren das letzte Mal in Batumi auf Meereshöhe und seitdem nicht mehr unter 1000 Metern.
An einem Picknickareal machen wir Halt, wir brauchen mal ne Pause. Obwohl es Montag ist, ist es recht voll und so werden wir wieder mit Essen beschenkt und müssen hier und da auf deutsch, türkisch oder englisch erklären, wo wir herkommen und wo es hingeht. Das wir in Armenien waren, wollen wir lieber nicht erzählen, das Verhältnis ist einfach zu schlecht und verbissen.
Bei unserer Abfahrt trommeln wir dann unfreiwillig nochmal alle zusammen. Beim Ausparken klemmt der Gang, wir stehen quer mitten auf dem Weg und kommen nicht vor und nicht zurück.
Nun müssen wir zugeben, dass das Problem nicht zum ersten Mal auftaucht, mit ein bisschen Abwarten hat sich das immer von allein erledigt. Aber ist natürlich blöd, keiner kommt vorbei. Nachdem 4 Leute im Auto saßen und probiert haben, den Gang wieder rauszukriegen, klappt es irgendwann und wir können weiter.
Weiter geht es nach Kars. Im 9. Jahrhundert war es Hauptstadt des armenischen Reiches, bis es 961 den Titel an Ani abgab. Es war aber auch besetzt durch Seldschuken, Georgier, Osmanen und Russen.
Heute ist es eine ärmliche Stadt mit 60% Arbeitslosigkeit. 2011 ließ Erdoğan, damals Ministerpräsident, das erst 5 Jahre alte Monument der Menschlichkeit abreißen, welches die türkisch-armenische Freundschaft symbolisierte. Unter Erdoğan wird es auch keine Annäherung an Armenien geben. Andernfalls würde auch Aserbaidshan den Gashahn zur Türkei zudrehen. Verzwickte Sache. Aber scheinbar kann keine der drei Parteien der anderen ein Stück entgegen kommen.
Wir fahren hoch zur Zitadelle, die früher dem Militär vorbehalten war. Heute kann jeder von dort einen Blick über die Stadt und Umgebung werden. Direkt zu unseren Füßen liegt die Kümbet-Moschee.
Errichtet als Kirche, später als Moschee, dann wieder als Kirche und dann als Lagerhalle genutzt, wird nun heute wieder zu Allah gebetet.
Wir schlafen unterhalb der Burg und das mal so richtig schlecht. Gerade eingeschlafen, donnert es gegen unser Womo. Polizisten funkeln uns mit Taschenlampen an, mit deren Stärke man ein Fußballstadion ausleuchten könnte. Sie wollen unsere Pässe sehen, entschuldigen sich dann aber und wünschen eine gute Nacht. Das wird aber nicht passieren, immer wieder kommen Autos und spielen laute Musik bis 2 Uhr. Ab 4 Uhr wird dann wieder zum Gebet gerufen und eine Elster findet es lustig, auf unserem Womo rumzuhüpfen und Nüsse zu knacken. Oder wer weiß, was die da macht. 3 Kreuze, als die Nacht irgendwie vorbei ist und wir machen uns schleunigst auf und davon.
Wir fahren nach Ani. Ehemals Hauptstadt von Armenien und nun direkt an der Grenze gelegen. Wir fahren durch baumlose Steppenlandschaft. Von Ani selbst ist nicht mehr allzu viel erhalten. Mehrere Angriffe durch verschiedene Völker zerstörten den Großteil und ein Erdbeben 1319 gab ihr den Rest. Über Vieles ist noch heute Gras gewachsen.
Wir blicken nun von hier direkt auf Armenien, der Fluss, der durch die Schlucht läuft, bildet die Grenze. Auf beiden Seiten Grenzposten, eine Brücke wurde eingerissen. Mich stimmt dieses Bild traurig.
Nun geht es immer an Armeniens Grenze entlang zum Ararat. Ein schwieriges Gebiet.  Streng bewacht. Wir treffen auf viel Militär, Polizei, Grenzposten, Panzer, Maschinengewehre. Für uns ungewohnte Bilder. Auch wir werden kontrolliert. Unser Wohnmobil und unsere Pässe. Die Stimmung ist aber entspannt, man freut sich, dass wir hier vorbeischauen.
Die Menschen hier sind arm, die Landschaft einsam und karg. Wir erspähen endlich den Ararat. Zunächst zeigt sich uns nur der Gipfel, der Berg selbst verschwindet im Dunst. Ein paar Kilometer weiterist es genau andersherum. Also immer noch kein vernünftiges Foto. 
Aber wir bleiben dran. Wir parken auf einem kleinen Platz, der eigentlich ein Picknickgelände ist. Aber es gibt sogar eine Dusche, ein kleines Restaurant und einen Mini-Rummel. Die Musik ist anfangs irre laut, wir sehen schon wieder unsere Nachtruhe dahinschwinden, aber gegen Abend ist Ruhe. Von den Karussells ist nur noch die Hälfte funktionsfähig und die andere Hälfte sieht echt übel aus. Wir lassen die Kinder trotzdem 2 Runden fahren. Vertrauen ist alles! ;-)
Der Besitzer ist total nett, lässt die Kinder sogar umsonst fahren und freut sich einfach, dass wir da sind.

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Kommentare: 1
  • #1

    manuela (Mittwoch, 08 August 2018 10:28)

    Na, da habt ihr ja wieder in kurzer Zeit mit viel Adrenalin gelebt und wenig Schlaf :). Um so mehr wünsche ich Euch nun eine angenehme Zeit. Knutschi