Der Ararat und zum Van-See

Der Ararat, ein Berg, wie ihn Kinder malen. Mit 5137 Metern erhebt sich der Vulkan ganz im Osten der Türkei an der Grenze zu Armenien, Nachitschewan (Aserbaidshan) und Iran. 1840 spuckte er das letzte Mal Lava und Asche. Die Armenier nennen ihn „Mutter der Erde“, die Kurden „Berg des Bösen“ und für die Türken ist er der „Schmerzensberg“.
Um kaum einen Berg ranken sich so viele Legenden. Die bekannteste ist die alttestamentarische Geschichte von der Arche Noah, die während der Sintflut hier gestrandet sein soll. Immer wieder wollen Menschen das Schiffswrack entdeckt haben. 
Wer ihn besteigen möchte, braucht eine Genehmigung und auch dann darf nur unter Führung gewandert werden. Aber hin und wieder wird er vom Militär für längere Zeit gesperrt, sei es wegen bewaffneter Schmuggler, gefährlicher Diebesbanden oder PKK-Aktionen. Seit 1920 gehört er zur Türkei, ist aber weiterhin das Nationalsymbol der Armenier.
Wir konnten in der Nacht ruhig schlafen, nachdem wir gestern noch für wenig Geld ein leckeres Abendessen serviert bekommen haben. Den Sonnenuntergang konnten wir mit Blick auf Doğubayazıt genießen.
Am Vormittag brechen wir auf und dann tatsächlich, wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, können wir den schneebedeckten Gipfel erblicken. Zack Zack geht es durch die Stadt, so schnell man eben durch türkisches Stadtgewimmel fahren kann, um einen guten Platz fürs Fotoshooting zu finden. Aber zu spät, nur 10 Minuten später dicke Wolken. Frust!
Wir geben nicht auf! Andere Route wird eingeschlagen, abgewartet und dann zahlt sich unsere Beharrlichkeit am Ende doch noch aus :-)
Für uns geht es jetzt weiter an der iranischen Grenze entlang. Das bedeutet wieder viele Grenzposten, Panzer, Hubschrauber. Aber die Landschaft ist wunderschön.
Auf über 2600 Metern Höhe erblicken wir den Tendürek Dağı. Ebenfalls einen Vulkan, der dafür verantwortlich ist, dass wir durch spektakuläre Lava-Landschaft fahren dürfen.
Pause machen wir am Muradiye-Wasserfall. Beim Einparken beobachtet uns ein vielleicht 14-jähriger Junge. Er ist groß, sehr dünn und wirkt irgendwie merkwürdig. Er schleicht um unser Womo, ganz wohl ist uns nicht. Sprechen kann er nicht. Jedenfalls nicht mit uns. Wir entschließen uns, ihm etwas Obst zu schenken und er ist dankbar und freut sich. Danach verschwindet er. Im Nachhinein machen wir uns Gedanken über sein „merkwürdiges“ Verhalten. Wir dachten zunächst an eine Intelligenzminderung, aber wahrscheinlicher ist, dass er unter einem Kriegstrauma leidet. In der Gegend, wo wir uns jetzt aufhalten, gibt es viele Iraner, Iraker, Kurden und Syrer, die geflüchtet sind. Anders als bei uns in Deutschland sind sie hier oftmals auf sich selbst gestellt und gänzlich auf Herzlichkeit anderer angewiesen. Auch für uns eine neue Situation. Man kennt es aus den Medien, aber den Menschen in die Augen zu schauen, die dich um Hilfe bitten, ist etwas ganz anderes.
Unser Weg führt uns weiter zum Van-See. Dieser liegt 1720 m ü.d.M., ist der größte See der Türkei und bis zu 400 Meter tief. Hier wird er Van-Meer genannt und so präsentiert er sich uns auch. Türkisfarbenes Wasser, seichte Wellen und zeitweise ist das andere Ufer nicht zu sehen.
Entstanden ist er durch einen natürlichen Staudamm nach einem Vulkanausbruch. Die Schneeschmelze führt jedes Jahr enorme Wassermengen in den See, die im Sommer verdunsten. Dies führt zu einem hohen Sodagehalt. Spart man sich das Waschmittel, aber Fische halten es hier nicht wirklich aus. Die Wassertemperatur übersteigt kaum 20 Grad.
Hier soll es auch „Vanessie“ geben. Ein Seeungeheuer, welches als Riesenschlange gesichtet wurde :-) 
Wir haben Glück, Vanessie verschont uns und wir finden einen kleinen Campingplatz direkt am Wasser.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jule (Mittwoch, 08 August 2018 21:01)

    Wow endlich habt ihr in so schönes Foto vom schneebedeckten Gipfel machen können. Es sieht wirklich toll aus. Und auch der van-See. Schöööön!!!
    Lasst es euch dort gut gehen! Und es toll, wie ihr trotz komischen Bauchgefühls mit den Menschen dort umgeht.