Zum Nemrut-Krater

Wir verlassen unser lauschiges Plätzchen am Wasser und umrunden den Rest vom Van-See. Aber zuvor darf ich mit den Kindern noch den großen Bagger am See bestaunen. 
An der Stadt Tatvan müssen wir erstmal anstehen. Wie bei einer Grenzkontrolle wird jedes Fahrzeug kontrolliert. Wir werden als Touristen enttarnt und freundlich weitergewunken.

Oft stelle ich mir die Frage, ob ich ein Kopttuch tragen sollte. Natürlich nicht ständig, aber zum Beispiel beim Einkaufen oder wenn Männer anwesend sind. Gerade hier im Osten geht es konservativer zu, als in anderen Teilen des Landes. Ich bemerke, das Männer schnell wegschauen, wenn sie mich sehen, andere wiederum verhalten sich mir gegenüber genauso wie Benni.
Zum einen denke ich mir, hat es etwas mit Respekt und Achtung zu tun, wenn ich mich hier etwas anpasse, aber dann denke ich an die vielen Frauen, die dafür kämpfen, dass es genauso normal ist, kein Kopftuch zu tragen. Und die gibt es auch hier in Ostanatolien. Die würden sich bestimmt ärgern, wenn endlich mal eine aus dem „Westen“ kommt und dann trägt die hier in Kopftuch. Wisst ihr, was ich meine? 
Wir wollen zum Nemrut Krater. Ein 3000 Meter hoher Vulkan, der zuletzt 1441 aktiv war.
Die Anfahrt ist steil, da muss unser Womo mal wieder so richtig ranklotzen. Oben am Kraterrand werden wir belohnt mit einer besonderen Atmosphäre und Einsamkeit.
Zu gern würden wir Peter Pan hier seine Kreise ziehen lassen, denn das lässt sich nicht auf ein Foto quetschen. Aber ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt,  das Drohnefliegen ist hier in der Türkei mit strengen Auflagen reglementiert. Und bei der hohen Militärpräsenz, lassen wir Peter mal lieber ganz hinten liegen. Aber die Bilder speichern wir für uns in unseren Köpfen ab.
Nun geht es wieder etwas abwärts in den Krater hinein. Hier gibt es Seen, die durch Eiswasser entstehen, den Kleineren von beiden wärmen heiße Quellen ein wenig auf. Aber zum Baden sind sie nicht so recht geeignet.
An einer kleinen Teestube, die von Fevzi betrieben wird, können wir campen. Er lädt uns direkt auf einen Çay ein und wir können uns auf englisch ein bisschen unterhalten. Später wandern wir noch zum großen See, treffen auf jede Menge melonengroßer Schildkröten und werden mal wieder reichlich beschenkt. Es gibt Kekse und wir werden aufgefordert zu warten, das Grillfleisch sei gleich fertig. In der Zwischenzeit bekommen wir ein paar Worte kurdisch beigebracht. 
In Südostanatolien leben viele Kurden. Zurück am Womo werden wir nochmals zum Tee eingeladen, diesmal von einer Familie mit 2 Kindern.
Am Abend zeigt uns Fevzi noch die heißen Quellen, die nun wirklich nicht spektakulär sind, aber ein kleiner Spaziergang am Abend tut gut.
In dieser Gegend leben Bären, davon haben wir schon öfter gehört und auch Fevzi bestätigt das.
Die Nacht war ausnahmsweise mal so ruhig, dass ich nur schlecht schlafen konnte. Daran ist man ja gar nicht mehr gewöhnt.
Und trotzdem habe ich nicht mitbekommen, wie tatsächlich nachts ein Bär um unseren Platz seine Runde dreht. Er schmeißt die Mülltonne um und futtert sich durch Abfallreste. Fevzi hat’s mitbekommen und noch ein paar andere Zelter in den Schutz seiner Behausung geholt. Na das ist mal aufregend! Aber schade, dass wir ihn nicht aus sicherer Entfernung gesehen haben ;-)
Wir treffen am Morgen wieder nur die Turtels und ein paar Murmeltiere. Auch süß!
Zeitig geht’s los, werden herzlich verabschiedet und auch nach mehreren Bitten möchte Fevzi einfach kein Geld annehmen, weder für Tee oder Wasser, noch für den Stellplatz. Wir sind mal wieder berührt von Menschen, die nichts haben uns trotzdem noch viel geben. In unserer Gesellschaft ist es ja leider oft eher andersrum.
Wir verlassen den Krater und dann geht es plötzlich nur noch bergab. Das bedeutet, es wird wieder sooooo RICHTIG heiß. Die Hitze klatscht uns regelrecht ins Gesicht. Na zum Glückhaben wir keine Klimaanlage, dann ist der Unterschied nicht so heftig, wenn man aussteigt.......
Der Weg führt uns weiter Richtung Westen. Die Nähe zum Irak und Syrien ist für uns nun deutlich zu spüren. Der Teil der Türkei ist auch ärmer als anderswo. Es gibt eine hohe Arbeitslosenzahl, die Straßen sind zwar relativ gut, werden aber nicht gepflegt. Wir werden öfter um Geld gebeten. Viele Militärstützpunkte, Soldaten, Stacheldraht, mehrere Kontrollen am Tag gehören für uns nun dazu. Wir haben aber ehrlich keine Angst, es ist einfach befremdlich für uns, dass auf diese Weise für Sicherheit gesorgt wird. Aber ein bisschen froh sind wir schon, wenn wir den „wilden Osten“ verlassen. Trotz allem ist es eine Erfahrung, die mal wieder unseren gedanklichen Horizont erweitert und nachhaltig Eindruck hinterlassen wird.
Einer geht noch!
Einer geht noch!
Seht ihr das? Nichts! Weit und breit! Und alles furztrocken.
Seht ihr das? Nichts! Weit und breit! Und alles furztrocken.
Ach doch! Da! Ein Pferd!
Ach doch! Da! Ein Pferd!
Wir überqueren die neue Hängebrücke über den Atatürk-Stausee, der den Euphrat staut. Nun wird die Landschaft wieder etwas grüner.  Wir schlengeln uns in die Berge zum Nemrut Dağı. Den wollen wir aber erst morgen erobern. Wir haben heute über 400 Kilometer geschrubbt und sind platt von der Hitze. Hier gibt es einen kleinen Platz an einem Restaurant, auf dem wir im Schatten stehen können. Ein Abendessen ist wohl auch mal wieder drin ;-) Wir zahlen einen lächerlichen Preis für alles und haben fast schon ein schlechtes Gewissen. Vielleicht habt ihr es in den Medien mitbekommen. Die türkische Lira befindet sich im freien Fall. Schlecht für die türkische Wirtschaft, gut für uns als Reisende. Vor 3 Jahren hätten wir noch das doppelte bezahlt.
Das Essen schmeckt prima. Da gerade Ferien sind helfen alle mit. Mustafa fährt nochmal mit dem Auto los Brot holen, danach ist er unser Kellner. Mustafa ist 10!!! Aber ein super Typ. Nach dem Essen spielen die drei Jungs total toll zusammen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Ingo HKP (Sonntag, 12 August 2018 11:45)

    Haha, zur Abwechslung mal ne Mieze Katze aufgelesen ;) ... Beeindruckende Fotos und Hintergrundinformationen zu den Orten wo ihr wart. Weiterhin gute Reise und Grüße aus Berlin :)

  • #2

    Jule (Sonntag, 12 August 2018 16:26)

    Geiler Typ der Mustafa ���