It‘s time to say Goodbye, Türkiye! Güle Güle!

Saisonende!
Saisonende!
Nun ist es soweit! Ich weiß gar nicht genau wieviele Wochen bzw. Monate wir hier verbracht haben, aber nun steht der Abschied bevor.
Und wir sind die letzten Gäste!
Und wir sind die letzten Gäste!
Tatsächlich sind wir die letzten 2 Tage, nachdem die jugendliche Reisegruppe gleich in aller Früh abgereist ist, die letzten Gäste auf dem Platz. Die Aufräumarbeiten beginnen, der Sommer ist nun vorbei. Auch wir sitzen abends und morgens nun mit Strickjacke draußen und es weht ein kräftiger Wind. Es wird allmählich Herbst. Aber immerhin bei 27 Grad :-)
Wir bereiten uns gedanklich auf unsere Heimreise vor und überlegen uns eine Route. Das fällt uns gar nicht leicht, wir müssen viele Dinge abwägen. Wie ist das Wetter, was wollen wir sehen, wo gibt es Campingplätze? Auf jeden Fall geht es nun erstmal nach Bulgarien und in ein paar Tagen werden wir weitersehen.
Auch wir haben aufgeräumt und neu sortiert im Womo.
Auch wir haben aufgeräumt und neu sortiert im Womo.
Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass wir uns in der Türkei mehr als wohl gefühlt haben. Die vielfältige Landschaft, die uns immer wieder zum Staunen brachte, die türkische Kultur, das wunderbar leckere Essen, die Freiheiten als Wohnmobilreisende, die Bekanntschaften unterwegs und nicht zuletzt natürlich die unglaubliche Gastfreundschaft der herzlichen Türken! Am liebsten würde ich sie jetzt alle nochmal knuddeln.
In besonderer Erinnerung bleiben wird uns vor allem der Osten Anatoliens, der doch so anders ist als der Westen. Das war wirklich eine besondere Zeit in diesem Teil des Landes, der auch ein bisschen Mut und Abenteuerlust erfordert. Ostanatolien ist doch sehr religiös geprägt, Traditionen und Werte werden streng gelebt. Im Süden und Westen der Türkei erlebten wir dann eher das Gegenteil. Dort geht es moderner, westlicher zu, aber es geht auch durchaus beides in Kombination. 
Durch den Wertverlust der Lira war es für uns in dieser Zeit natürlich ein sehr preiswertes Reiseland, was den ein oder anderen Luxus, also z.B. Essen gehen, erlaubt hat.
Wir hoffen, dass in nächster Zeit wieder mehr Menschen den Weg in dieses wunderschöne Land finden!
Abschied auch vom Meer.
Abschied auch vom Meer.
Voller Tatendrang brechen wir am Morgen auf, der Wind weht uns immer noch kräftig um die Nase. Das Meer zeigt sich nochmal von seiner wunderschönen, wilden Seite in den verschiedensten Blautönen.
Unser Weg führt natürlich erstmal zu einem Supermarkt, seit 5 Tagen waren wir nicht mehr einkaufen. Der Kühlschrank ist bis auf den letzten Quadratzentimeter leer.
Und vor dem Laden entdecken wir dann tatsächlich das erste Mal mehrere Eimer zur Mülltrennung. Wir wollen nicht verschweigen, dass die Türkei ein Müllproblem hat. Oder eher gesagt die Menschen haben nur wenig Umweltbewusstsein. Es gibt Plastiktüten in Hülle und Fülle, selbst wenn du nur eine Packung Kaugumni kaufst. Nach dem Picknick werden Reste einfach liegen gelassen und die leere Cola-Dose fliegt aus dem Auto. Natürlich sind nicht alle so und wir sehen auch öfter Freiwillige, die den Müll anderer vom Strand mitnehmen. Aber an dieser Situation muss sich dringend was ändern. Schön anzusehen ist es nicht, von den Schäden für Natur und Tier mal ganz zu schweigen. Und dabei stehen fast überall große Mülltonnen, die auch regelmäßig geleert werden. Trotzdem setzt sich leider die Bequemlichkeit mehr durch. Wir brauchten allerdings dank der ganzen Plastiktüten in dem halben Jahr nur einmal Müllbeutel kaufen. Denn das Problem des übermäßigen Plastiks und der Umweltverschmutzung besteht leider nicht nur in der Türkei, sondern ist uns in allen anderen Ländern ebenfalls begegnet.
Wir fahren vorbei an all den Sonnenblumenfeldern, die uns Ende Juni noch leuchtend gelb angestrahlt haben, nun ist alles vertrocknet.
Und dann halten wir in Edirne um doch nochmal ein bisschen Kultur aufzutanken. Einst war Edirne Hauptstadt des osmanischen Reiches, heute eine offene Stadt und vorallem verhältnismäßig ruhig. Das typisch anatolische Großstadtchaos bleibt aus. 
Wir statten der Selimiye-Moschee einen Besuch ab. In Auftrag gab sie Sultan Selim II. Die Forderung an den 80-jährigen Baumeister war: „Baue mir eine Moschee, die alle anderen in den Schatten stellt. Erhaben soll sie auf der Kuppe des Hügels thronen und den Ungläubigen von der Größe Allahs künden!“ Gesagt, getan! Fertig wurde sie allerdings erst 1575, nach dem Tod des Bauherren. Seit 2011 steht sie auch auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerben. Und wir sollen nicht enttäuscht werden.
Wir gehen durch einen kleinen Garten und gelangen dann in den Innenhof, in der Mitte steht der 16-eckige Reinigungsbrunnen. Vor jedem Gebet müssen sich die Männer einer speziellen Waschung von Händen und Füßen unterziehen.
Die Selimiye-Moschee
Die Selimiye-Moschee
Dann gehen wir in die Moschee und der 1620 qm große Gebetssaal wirkt wirklich imposant. Vorher heißt es wieder Schuhe aus, lange Hose/Rock und Kopttuch anlegen. Die Stimmung ist ruhig, aber entspannt und gesellig. Einige sitzen zusammen, andere beten und wieder andere betrachten das schöne Gebäude. Auch ich kann mich kaum sattsehen an den hübschen Ornamenten, der arabischen Schrift und den detailreichen Verzierungen.
Nun ist aber wirklich Schluss und wir machen uns auf zur Grenze nach Bulgarien, oder auch Bulgaristan, wie die Türken sagen. Bereits 8 Kilometer vor dem eigentlich Grenzübergang fällt uns der ganze Müll am Straßenand auf, 4 Kilometer später folgen Mülleimer alle 20 Meter. Zur Ferienzeit muss hier mächtig was los sein, wir sind jedenfalls froh, dass wir gar nicht anstehen müssen. Nur auf entgegengesetzter Seite ist die LKW-Schlange 4 Kilometer lang. Die Armen.
Dennoch brauchen wir wieder die obligatorische halbe Stunde um das Land zu wechseln. Passkontrollen ohne Ende, sehr gründliche Inspektion unseres Wohnmobils und dann müssen wir auch noch durch die Desinfektion. Die im Übrigen 3€ kostet und aus ein paar Spritzerchen Desinfekionsmittel aus dem Boden besteht. Die Vignette zur Straßennutzung kostet uns dann auch nochmal 10€ für 7 Tage und dann haben wir es geschafft.
Wir sind wieder in der EU, in Bulgarien.
Die Landschaft ist öde, aber das war sie zuletzt in der Türkei auch. Die Straßen sind ganz in Ordnung und wir steuern direkt unseren Campingplatz Sakar Hills an, der nur 40 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Auf diesem Platz waren wir bereits 2015 und er ist ein idealer Platz, wenn man auf der Durchreise ist. Er wird von einem Briten betrieben und ist picobello sauber. Wir sind zunächst allein hier, später kommt noch ein französischer Radfahrer dazu, der von Frankreich nach China fährt. Wieso denn auch nicht?!
Also dann auf eine gute erste Nacht im
neuen Abschnitt „Heimreise“.

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Kommentare: 1
  • #1

    Manu (Mittwoch, 19 September 2018 18:52)

    Danke für den ausführlichen Bericht. Ich wünsche Euch eine gute Heimreise mit noch vielen schönen Momenten :)