Entlang der Donau

Die Entscheidung ist getroffen, die Würfel sind gefallen, der Drops ist gelutscht: Wir sind in Rumänien.
Eine endlose, kilometerlange Schlange von LKW‘s begleitet uns auf dem Weg zur Grenze. Die Fahrer haben mein vollstes Mitgefühl. Bisher standen fast an jedem Grenzübergang Hunderte. Für sie bedeutet ein Land zu wechseln, manchmal Tage dort auszuharren.
Wir passieren die Donau, den Grenzfluss und müssen für die Brücke 6€ abdrücken.
Wir brauchen nicht lange warten, haben aber  ein bisschen Schiss, da wir festgestellt haben, dass unsere Grüne Versicherungskarte weg ist. Die liegt noch am Grenzübergang Türkei/Bulgarien. Der Beamte hat vergessen, sie uns wiederzugeben und wir haben nicht aufgepasst.
Zum Glück interessiert sich hier keiner dafür, wir hoffen, dass das bis zur Heimat so bleibt. Schließlich werden wir die EU jetzt nicht mehr verlassen.
Für die Straßennutzung müssen wir für 7 Tage 5€ bezahlen und dann geht’s los.
Heute ist es bewölkt und seeeehr windig, die Stimmung ist düster, Krähen fliegen über die Felder, passend für das Land von Graf Dracula. Ja, tut mir leid, ein bisschen Klischee muss sein!
Und dennoch sind wir sofort von Rumänien positiv überrascht. Klar, es ist ein armes Land, das 2. ärmste der EU nach Bulgarien, aber uns überzeugen die hübschen Häuschen mit ihren Obstbäumen, die bunten Spielplätze, die bemalten Brunnen. Ok, alles ist es etwas in die Jahre gekommen und die Farbe ist abgeplatzt, aber alles ist mit Liebe zum Detail gestaltet. 
Es regnet nun richtig und es ist auch schon recht spät. Wir steuern unseren Schlafplatz an, ein Parkplatz mit Stromanschluss an einem Hotel. Hier ist heute Highlife, eine Konferenz für Jäger und Förster findet statt. Na das sieht natürlich lustig aus, die ganzen grünen Männchen, die hier rumlaufen. Im Restaurant ist leider auch kein Platz mehr, dafür dürfen wir umsonst hier stehen. Na wenn das kein nettes Willkommen ist.
Oh man, es ist wirklich kalt geworden nachts, nun muss die Heizung doch mal angeschmissen werden. Aber heute zeigt sich wieder die Sonne, dann steht einem schönen ersten Tag in Rumänien wohl nichts mehr im Wege.
Für uns geht es immer entlang der Donau, dem 2. größten Fluss Europas, 2860 Kilometer lang und 10 Länder durchquerend. Kurz nach der Abfahrt treffen wir auf Decebalus, dem letzten König der Daker. Das heutige Rumänien ging aus dem Volk der Daker hervor, das gleichzeitig mit dem römischen Volk existierte. Die Donau war eine natürliche Grenze zum römischen Reich, die die Daker vor der Eroberung bewahrte, bis die Römer eine Brücke bauten. Decebalus kämpfte tapfer gegen die Römer, wurde aber letztendlich besiegt. Das rumänische Volk entstand dann aus dieser römisch-dakischen Synthese. 
Dem letzten König zu Ehren wurde diese 40 Meter hohe Felsskulptur 2004 fertiggestellt.
Kurze Zeit später entdecken wir die restlichen beiden Türme von ursprünglich Dreien der Festung Cetatea Tricule, die durch Stauung der Donau versenkt wurde.
Die Türme der Festung Cetatea Tricule
Die Türme der Festung Cetatea Tricule
Wir befinden uns im Nationalpark „Eisernes Tor“ und folgen weiter der Donau. Links von uns immer der Blick auf Serbien. Zeitweise wird es so eng, dass nur noch Platz für Fluss und Straße ist. Wirklich beeindruckend dieser gewaltige Fluss. Das „Eiserne Tor“ gilt als eine der imposantesten Taldurchbrüche Europas und war bis 1972  der gefährlichste Flussabschnitt der Donau für die Schifffahrt.
Die mächtige Donau
Die mächtige Donau
Wir machen kurz Halt für einen Fotostopp, da fällt mir eine kleine Höhle in der Felswand auf und Benni geht auf Geocache-Suche. Dabei findet er eine noch größere Höhle und wir machen uns wieder als Höhlenforscherteam auf die Socken.
Wir verlassen nun die Donau und fahren ins Landesinnere, in die Berge. Unterwegs fällt uns hoch oben ein verlassenes Krankenhaus auf, aber bei genauer Betrachtung stehen wirklich Autos und Menschen davor. Ich hoffe wirklich, hier wird niemand mehr behandelt, sondern es dient nur noch als Filmkulisse für Horrostreifen und Psychothriller.
Altes Krankenhaus
Altes Krankenhaus
Nächstes Highlight unser Tour ist ein Wasserfall. Also wirklich berauschend ist er nicht, aber sooo niedlich. Wie über einen überdimensionalen Pilz tröpfelt das Wasser herunter. Und für 2€ können wir noch weiter hochlaufen zur Quelle und wie soll es anders sein, einer kleinen Höhle. Die ist ein bisschen gruselig, es geht ganz tief nach unten und warme Luft strömt heraus.
Nun sind noch mal 70 Kilometer Schlengelfahrt durch die Berge und die Felder angesagt bis zu unserem Campingplatz. Die Natur ist wild und einsam, wir durchqueren auch einige Dörfer, in denen es beschaulich zugeht. Einfach haben es die Menschen hier bestimmt nicht. Aber wir sind ganz verzaubert von der herbstlichen, abwechslungsreichen Landschaft und auch von den kleinen Orten. Verwirrte Blicke treffen uns und unser Womo. Allzu oft kommen Touristen hier wohl nicht vorbei. Aber wir sind so froh, hier zu sein. Rumänien, ein Land in dem wir uns direkt wohl fühlen und voller Panik feststellen, wir haben nicht genug Zeit und kalt es ist auch, aber das macht nichts. Rumänien hat mehr verdient und wir werden sicher ganz bald wieder hierher kommen. Aber nun haben wir erstmal noch ein paar schöne Tage vor uns und darauf freuen wir uns sehr. Es gibt sooo viel zu entdecken.

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Kommentare: 2
  • #1

    Franzi (Dienstag, 25 September 2018 21:47)

    Fazit altes verlassenes Krankenhaus: furchtbar gruselig, mir reicht das Foto, ich hab eindeutig zu viele Horrorfilme gesehen �

  • #2

    Ingo HkP (Mittwoch, 26 September 2018 08:08)

    @ Franzi, ja das ist maln High Tech KH ;) ... – beneide euch für Rumänien; steht auch auf unserer Reisewunschliste. Wenn ihr schonmal da seid, dann hier mal ne Adresse: Strada General Traian Moșoiu 24, Bran 507025, Rumänien. Da findet ihr das weltberühmte Schloss Bran!! Ein alter Kumpel war schonmal dort und war begeistert. Also, wenna noch Sprit im Tank habt, auf,auf zu Vlad Dracul Tepesc Burg ��