In der Walachei

6 Grad beim Aufwachen. Innentemperatur!!! Draußen ein einziger Grad. Was ist nur aus den guten alten Zeiten geworden, wo wir nachts kuschelige 30 Grad hatten?!
Geschlafen haben wir auf einem kleinen Campingplatz mit deutschem Besitzer. Und der war wirklich so richtig deutsch. Oh man und wir dachten, wir bleiben mit solcher Kleinkariertheit noch etwas verschont.
Nun gut, bei 10 Grad machen wir uns gegen Mittag auf den Weg und durchqueren den Kurort Baile Herculane (Herkulesbad). Das Städtchen hat wirklich schon schönere Zeiten erlebt, aber es wird renoviert und ausgebessert und es ist auch ganz schön was los. Die Hotels und Thermalbäder scheinen gut besucht zu sein.
Dann geht es für uns über löchrige Fahrbahn in die Berge, aber wir sind fast allein auf der kurvigen Straße unterwegs. Und nachdem wir endlich die bewaldeten Berge hinter uns lassen, sehen wir sie vor uns, die Walachei.
Wir durchqueren die abgelegene Gegend, nur hin und wieder ein paar vereinzelte Häuser. Tatsächlich gibt es hier auch Leben, aber die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Heu oder Feuerholz wird auf dem Rücken, größere Mengen auf dem Pferdewagen transportiert. Der Altersdurchschnitt liegt gefühlt bei 80 Jahren. Und auch die alten Menschen bestellen ihr Feld noch selbst und holen die Ernte ein. 
Dann werden die Dörfer größer und auch hier bin ich wieder ganz hin und weg von den hübschen Häuschen. Bei Gelegenheit folgen mal ein paar Fotos.
Wir erreichen das Nonnenkloster von Tismana. Eingebettet zwischen Bergen, Flüssen und Wald liegt das älteste Kloster der Walachei. 
Hier scheint jemand einen Faible für Kakteen zu haben...
Hier scheint jemand einen Faible für Kakteen zu haben...
Prost!
Prost!
Endlich hat es sich auch wieder aufgewärmt, wir verbringen noch ein bisschen Zeit am Fluss und eigentlich wäre der Parkplatz ein gutes Übernachtungsplätzchen, aber wir haben erst frühen Nachmittag.
Honigfabrik
Honigfabrik
So beschließen wir noch zum nächsten Kloster zu fahren. Zunächst kommen wir gut voran und dann geht es wieder Kurve um Kurve in die Berge. Und dann kommt’s! Das Geräusch! Erst können wir es noch ignorieren bzw. denken, es kommt aus dem Innenraum. Aber es wird einfach immer lauter und beim Fensteröffnen ist es gar nicht mehr auszublenden. Wir sind total irriert, kommen am Kloster an, checken alles mögliche durch, finden aber keine Ursache. An Klosterbesichtigung ist nicht mehr zu denken, Unruhe macht sich breit. Die ganze Sache hört sich nach Radlager an. Bis zum nächsten Ort sind es noch knapp 30 Kilometer. Zurück ebenfalls. Da stehen wir nun in der Walachei. Es nützt ja nichts. Es geht also weiter. Wir fahren durch eine tiefe, felsige Schlucht, die wirklich wunderschön ist, aber wir können keinen Meter genießen. Es rumpelt so laut. Dann 10 Kilometer vor Petroschen hört es einfach auf. Wir fahren trotzdem in die Werkstatt, telefonieren mit dem ADAC. In der Autobude spricht natürlich keiner englisch. Google-Übersetzer hilft ein wenig. Die Jungs geben sich wirklich Mühe, obwohl schon seit 10 Minuten Feierabend ist. Alle Räder werden mehrmals abmontiert, alles durchleuchtet, die Radlager kontrolliert, sogar mit dem Stethoskop wird gelauscht. Und? Nichts! Ein Mechaniker fährt eine Runde mit Benni spazieren, das Geräusch taucht natürlich nicht wieder auf. Sie vermuten, dass sich ein Stein verirrt hatte, der die ganze Zeit klapperte und sich nun wieder einfach verabschiedet hat. Ach du meine Güte, was für eine Aufregung! Aber nun hoffen wir mal, das dem wirklich so ist und wir jetzt unsere Ruhe haben. Bezahlen müssen wir nichts, obwohl wir drei Männer bestimmt eine 3/4 Stunde beschäftigt haben.
Einer bietet uns dann noch an, in seinem Apartment zu schlafen, die Nacht soll es ja wieder sehr kalt werden. Benni fährt dann mit ihm im Pick-Up zu der Unterkunft, aber die ist wirklich nichts für uns. Sehr großzügig ist dieses Angebot aber allemal. Nun ist es aber wirklich schon zu spät, um noch weiterzufahren, es wird bald dunkel. Also schlafen wir heute in Petroschen auf einem Parkplatz vor dem Krankenhaus. Das übrigens etwas freundlicher aussieht, als das letzte ;-)

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Kommentare: 1
  • #1

    Opa (Mittwoch, 26 September 2018 21:18)

    Ihr nehmt aber auch jedes Abenteuer das ihr kriegen könnt mit oder? Dann wollen wir mal hoffen das auf den „letzten Metern“ alles gut geht. Übrigens wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht war ich auch schon in diesem Kloster.