Sihanoukville

Dem Himmel, oder wem auch immer, sei Dank sind wir wieder auf dem Festland. Das war vielleicht ne Fahrt! Wir werden an unserem Coconutbeach abgeholt. Das war noch fraglich, da das Anlegen der Fähre bei starkem Wellengang an unserem Pier besonders schwierig ist. Ansonsten wären wir zu einem anderen Strand gebracht worden. So ist es natürlich bequemer. Wir nehmen das auch als gutes Zeichen, scheinbar hat sich das Meer beruhigt. Nun geht es wieder zu 2 anderen Stränden um die restlichen Passagiere einzusammeln.
Und tatsächlich ist das Wasser dort viel ruhiger. Na nun sind wir ja erstmal optimistisch. 
Aber das soll sich schnell ändern. Ab geht’s aufs offene Meer! Und da ist mächtig was los. Unser Boot springt auf und ab, Wellen peitschen gegen die Scheiben, die Crew hat sich ins Innere verzogen. Hoch und runter, hoch und runter! Die ersten 10 Minuten finden die Jungs das mega cool und haben einen riesen Spaß. Aber dann wird es langsam ruhig im Boot, alle hängen mit geschlossenen Augen irgendwie auf ihren Stühlen und unsere beiden Räuber fallen wieder in ihren Trancezustand, wie wir es bereits von der Fahrt nach Pai kennen. Irgendwie tun sie mir leid, aber ich beneide sie auch darum, dass sie einfach auf Kommando einschlafen können, um diesem widerlichen Gefühl der Seekrankheit entgehen zu können. Ich fasse es selbst kaum, mir geht es eigentlich erstaunlich gut. Also dafür, dass ich mit einem empfindlichen Magen gesegnet bin, was solche Schaukelfahrten angeht, schlage ich mich ganz gut. Allerdings hängt Benni heute etwas in den Seilen. Aber bereits nach einer halben Stunde ist die Tortur geschafft und wir legen in Sihanoukville an. Wir brauchen trotzdem erstmal eine Pause und gönnen uns ein paar Softdrinks und Kekse.
Nach der Stärkung sind wir alle wieder auf dem Damm und bereit uns den Tuk Tuk Fahrern zu stellen. Dieser Kampf ist in Kambodscha äußerst zäh und am Ende hast du immer noch das Gefühl, viel zu viel zu bezahlen, obwohl du schon den angestrebten Preis um die Hälfte gedrückt hast. Leider wird wirklich jeder Tourist als reich empfunden und als Goldesel gesehen. Wir haben viel Ungutes über Sihanoukville gelesen und auch unser erster Eindruck bei der Anreise war nicht gerade positiv. Nun wollten wir hier ja eigentlich gar nicht übernachten, aber da unser Bus am nächsten Morgen zeitig losfährt, war uns das bei dem Sturm zu riskant, falls 6:30 keine Fähre gefahren wäre.
Sihanoukville hat eigentlich ein paar schöne Strände und könnte tatsächlich ein richtiger Ferienort werden, wäre dort nicht dieser furchtbar viele Müll. Man kann es gar nicht aufzählen, es liegt einfach ÜBERALL Müll in der Stadt. Du kannst keinen Schritt tun ohne über Berge zu stolpern oder von wirklich üblem Geruch verfolgt zu werden. China hat nun scheinbar Sihanoukville für sich entdeckt und baut und baut und baut. Die ganze Stadt ist eine einzige Müllkippe und Baustelle. Befestigte Straßen gibt es nur wenige und wenn, dann sind sie über und über mit Schlaglöchern verziert. Und mittendrin leben die Menschen. Von leben kann in meinen Augen keine Rede mehr sein. Die Fahrt durch die Stadt ist die beeindruckendste und berührendste, die ich je gemacht habe. Gelebt wird im Müll oder auf der Baustelle, 6-Jährige fahren hier bereits mit ihren kleinen Geschwistern Moped. Gelebt wird von der Hand in den Mund. Wir wissen nicht genau, wie wir dabei empfinden sollen. Wir fühlen uns fehl am Platz. Wir waren während unserer Reise in vielen Ländern unterwegs, denen es schlechter geht, als Deutschland. Aber Kambodscha ist mit all dem nicht mehr zu vergleichen. Für uns eine ganz andere Welt. Hier spürt man deutlich, wie die Armut die Menschen zerfrisst. Es gibt Einige, die ihr Leben in die Hand nehmen und es besser machen wollen. Aber ein Großteil hat eine „scheißegal“-Haltung. Ist kaputt, dann bleibt es halt kaputt. Ist nicht mein Problem. Sollen sich andere kümmern.
Wir kommen an unserem Hotel an, was direkt auf einem Schulgelände liegt. Denn in unserem Hotel arbeiten ausschließlich benachteiligte (sind sie das nicht alle?) Jugendliche und machen dort ihre Ausbildungen. Wir finden dieses Projekt klasse, ist es doch unsere Art, die Menschen hier in Kambodscha zu unterstützen und ihnen eine Perspektive zu geben. Besser als jeder Dollar oder Süßkram, die man Kindern in die Hand drückt. Auch wenn es schwer fällt, von uns bekommen die Kinder ein Lächeln, aber mehr nicht. So machst du sie einfach nur abhängig.
Jedenfalls ist in unserem Hotel nicht alles perfekt, aber wir fühlen uns sehr wohl und werden hilfsbereit umsorgt. Im Pool können wir uns noch etwas von den Strapazen erholen und auch das Abendessen ist superlecker! Auch wenn wir zwischendurch immer wieder wegen Stromausfall im Dunkeln sitzen, aber das kennen wir bereits von der Insel. Das Personal störts nicht. Es wird einfach weitergekocht, Gas funktioniert ja schließlich noch.
Am nächsten Morgen klingelt uns der Wecker aus den Betten. Wir packen und gehen zum Frühstück. Generell sind Essensbestellungen eine durchaus  schwierige Sache hier in Kambodscha. Meist umfasstdie Karte 10 Seiten oder mehr. Davon gibt es dann allerdings die Hälfte gar nicht. Nach Aufnahme der Bestellung wird alles nochmal wiederholt, doch was am Ende tatsächlich auf den Tisch kommt, ist dann eine Überraschung. Gemeinsam essen findet auch eher selten statt. Die Speisen werden manchmal über einen Zeitraum von 20-30 Minuten verteilt serviert. Am Ende unbedingt genau auf die Rechnung achten. Kann sein, dass was dazugekommen ist oder fehlt oder etwas erst gar nicht serviert wurde.
Jedenfalls warten wir an diesem Morgen ziemlich lange auf unsere Cornflakes und Müsli und somit wartet der Tuk Tuk Fahrer auf uns. Nun aber husch husch! Es geht wieder durch die Stadt, diesmal mit etwas weniger Verkehr und wir kommen pünktlich am Bus an. Wir durchqueren nochmal Sihanoukville und entdecken tatsächlich auch ein paar gepflegtere Ecken. Sogar ein Müllauto können wir erspähen.
Nun geht es wieder durchs ländliche Kambodscha und meine Gedanken sind bei den Menschen, die hier leben. Mich hat Kambodscha irgendwie gepackt. Ich fühle mich nicht immer wohl und die dreieinhalb Wochen sind auch vorerst genug, aber irgendwie gibt es immer was zu Staunen und vor allem zum Nachdenken.
Hier sind sie, die Probleme, von denen in Deutschland gesprochen wird, aber keiner weiß so richtig, was es bedeutet. Wir sehen gerodete Waldflächen, auf denen keine neuen Bäume gepflanzt werden. Einfach weg. Einfach tot. Wir sehen die Fabriken, in denen die Menschen ausgebeutet werden, damit man sich bei Primark oder sonstwo ein T-Shirt für 1,50€ kaufen. Also bitte! So billig sind die T-Shirts nicht mal hier. Prostitution ist ein Thema. Nicht offensichtlich für jedermann, aber man sieht viele dieser zwielichtigen europäischen Männer mit jungen Kambodschanerinnen unterwegs. An vielen Hotels stehen Schilder: „No Sex-Tourism!“
Wir sehen Kinder, denen die Zähne wegfaulen, einfach weil kein Verständnis für Ernährung und Hygiene herrscht. Nicht alle können zur Schule gehen.
Wir erfahren, dass der Mann, wenn er eine Frau heiraten möchte, mindestens 5000 besser 10.000 Dollar für die Hochzeit bezahlen muss. Bis diese Summe zusammengespart ist, vergehen viele Jahre.
Wir sehen aber auch Aufschwung und Entwicklung. Gerade Phnom Penh und Siem Reap. Hier geht es moderner zu, es ist bunt und lebendig.
Wir verbringen nun nochmal 2 Tage in Phnom Penh. Eigentlich eine interessante Stadt, aber ihr wisst ja, unsere beiden kleinen Wegbegleiter haben keine Lust mehr auf Stadt. Dem müssen wir uns lieber    anpassen, wenn wir den Familienfrieden bewahren wollen :-)

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