Auf Tuchfühlung mit Elefanten

Der Niederländer Edwin Wiek krempelt nach einem Autounfall sein ganzes Leben um. Einst erfolgreich in der Modebranche, beschließt er nach diesem einschneidenden Erlebnis, sinnvolleres zu tun und gründet eine Organisation, die wir nun Jahre später besucht haben und hier darüber berichten wollen.

Zunächst wollte Edwin sich um Affen aus Gefangenschaft kümmern und diese wieder aufpäppeln. Es verschlug ihn nach Thailand und er fand Affen, die gequält und gefoltert wurden, um Touristen Spaß zu bereiten. Sie werden fotografiert und sind zutraulich, lassen sich auf den Arm nehmen. Was die Menschen jedoch nicht wissen, dass der Affe dafür wochenlang geknebelt wurde, er keine Zähne mehr hat, Gliedmaßen und Schwänze fehlen und er gar nicht mehr weiß, wie sich ein Affe in natürlicher Umgebung verhält. Die ersten hilfsbedürftigen Tiere pflegte er noch zu Hause, stellte aber rasch fest, dass er viel mehr Platz benötige. Er bat in einem Tempel Mönche um Hilfe und bekam viele Hektar Land mit Wäldern und Seen geschenkt. 

Hier baute er seine Auffangstation auf und aus Affen wurden mehr Affen, Elefanten, Malaienbären, ein Krokodil, Leguan und jede Menge mehr hilfsbedürftiger Tiere.
Heute heißt das ganze WFFT (Wildlife Friends Foundation Thailand).

Und genau da wollen wir heute hin...

Bereits um 9 Uhr werden wir mit dem Minivan abgeholt und zum ca. 50 Kilometer entfernten Camp gefahren. Wir sind natürlich nicht die einzigen Besucher heute und so warten wir erstmal am Treffpunkt, bis alle eingetrudelt sind. Die Wartezeit vertreibt uns eine 72 Jahre alte Elefantenlady, die wir beim Fressen beobachten können. Danach werden wir in etwas kleinere Gruppen eingeteilt und laufen über das Gelände. Die Vorträge sind auf englisch, das Folgen fällt nicht immer leicht, so entgehen mir leider einige Informationen.
Die erste Elefantendame, die wir besuchen ist Bunmi. Und ihre Geschichte ist die eines typischen Elefanten, den man bei einem Thailandbesuch auf den Plakaten und Flyern der Trekkingscamps sieht.
Tagtäglich bekam sie einen Sattel auf den Rücken geschnallt und musste Touristen durch die Gegend tragen, dazu noch den Führer, der sie immer wieder mit dem Bambusstab traktierte. Die Folgen sind ein eingedellter Rücken, was unglaubliche Schmerzen sein müssen, der Verlust der Sehkraft auf einem Auge und ein eingerissenes Ohr, beides verursacht durch Schläge mit dem Stock.
Für uns geht es nun erstmal zu anderen Tieren. Verschiedene Affenarten, Bären, Reptilien und Vögel. Die meisten von ihnen wurden als Haustiere gehalten, was sich aber als recht unpraktisch erwies, sobald die Tiere größer waren. Wer möchte schon gerne ein 2 Meter großes Krokodil in seiner Badewanne?! Andere Tiere dienten zur Belustigung von Touristen oder holten Kokosnüsse von Palmen. Jedem einzelnen Tier sieht man die Spuren an, welche die Menschen hinterlassen haben. Seelisch und körperlich. Deformierte Körper, weil sie gezwungen wurden nur zu sitzen, Affen, denen Arme fehlen und Tiere, die sich in der freien Wildbahn einfach nicht mehr zurecht finden, weil sich nicht wissen, wie man Futter sucht. Sie haben es gänzlich verlernt oder wurden so früh von ihrer Mutter getrennt, dass es ihnen nie jemand beibringen konnte.
Es gibt aber auch Versuche, Affen wieder auszugliedern. So lebt beispielsweise eine Gibbonfamilie außerhalb des Camps auf einer Insel. Allerdings werden sie derzeit noch mit Futter versorgt.
Nach einer Mittagspause für uns, wird es nun auch für die Kinder wieder spannend. Wir gehen zu den Elefanten. 25 leben hier. Davon 24 Damen und ein Bulle. Die meisten von ihnen waren Reitelefanten oder mussten Kunststücke vorführen. Wilde Elefanten würden niemals einen Menschen nah an sich heranlassen. Daher muss zunächst ihr Wille gebrochen werden. Meist werden bereits die Jungtiere ihrer Mutter entrissen und sie durchlaufen den „Phajaan-Prozess“ oder besser gesagt Folter. Sie werden in einen engen Bambuskäfig gezerrt, gefesselt und von allen Seiten mit Stöcken geschlagen und gestochen. Tage, Wochen, Monate. Eben solange, bis sie ihren Willen verloren haben und aus Angst alles tun, was der Besitzer mit ihnen vorhat. In den typischen Trekking Camps erhalten die Tiere meist nur wenig Futter, können nicht baden, haben nur wenig Schatten und noch weniger Platz. Meist sind sie angekettet. Bis sie irgendwann erschöpft sind und sterben.

Und dann dürfen wir ganz nah ran an die Dickhäuter. Wir bekommen einen Eimer voll mit Obst und Gemüse und ein paar Anweisungen und schon geht’s los. Ganz vorsichtig nimmt die Elefantenkuh die Früchte mit dem Rüssel aus der Hand und steckt sie sich in den Mund.
Danach ist duschen angesagt. Das Wasser hilft den Elefanten ihre Körpertemperatur zu regulieren und pflegt ihre empfindliche Haut. Und wie dürfen heute dabei behilflich sein. Rau, dick, fest und doch ganz zart. So fühlt sich ein Elefant an.
Danach werden wir noch etwas durch das große Gelände gefahren und wir lernen noch viele interessante Sachen, die man gar nicht alle hier wiedergeben kann. 
Ein Erfolgserlebnis der Organisation ist eine 4-köpfige Elefantentruppe, die wieder als Herde agiert. Aber wir sehen auch aggressive Elefanten, die jegliches Vertrauen in den Menschen verloren haben. Wir dürfen Elefanten beim Baden beobachten und sehen das Elefantenkrankenhaus, welches sich gerade im Aufbau befindet.
Tja und dann geht der Tag mit den Dickhäutern zu Ende. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir dieses Erlebnis so schnell nicht vergessen werden und auch wieder mächtig zum Nachdenken angeregt wurden, über den allgemeinen Umgang mit Tieren auf unserer Erde. Wir nehmen einfach, was uns nicht gehört. Lebensraum, Nahrung oder gar die Tiere selbst. WFFT ist ein wunderbares Projekt, was versucht zu retten und wieder gut zu machen, was durch Menschenhand zerstört wurde.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jule (Donnerstag, 03 Januar 2019 18:15)

    Wow tolles Projekt!
    So traurig zu lesen, was mit den Tieren alles gemacht wird :(
    Schön, dass es Menschen wir Edwin gibt, die sowas in die Hand nehmen, um zu helfen.
    Sicher ein unvergessliches Erlebnis für euch!